PressemitteilungUmfrage des Museumsverbandes Hessen zeigt: Notfallvorsorge braucht mehr Ressourcen

Kassel, 14. September 2026

Wie gut sind hessische Museen auf Krisen und Schadensereignisse vorbereitet? Eine aktuelle Umfrage des Museumsverbandes Hessen (MVH) zeigt: Das Bewusstsein für die Bedeutung von Notfallvorsorge ist in den Museen vorhanden. Für eine systematische und nachhaltige Umsetzung fehlen jedoch vielerorts Personal, Zeit, Fachwissen und geeignete Strukturen.

Der Museumsverband Hessen sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: Notfallvorsorge für Kulturgut muss als dauerhafte Aufgabe des Kulturgutschutzes anerkannt und entsprechend ausgestattet werden. Das Land Hessen und die Träger der Museen sind gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Zwei Drittel der Museen bereits von Schadensereignissen betroffen

Im Frühsommer befragte der Verband Museen in Hessen zum aktuellen Stand ihrer Notfallplanung, zu Erfahrungen mit Schadensereignissen und zu Möglichkeiten, sich auf Notsituationen vorzubereiten. Auch Unterstützungs- und Fortbildungsbedarfe wurden erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Situationen allgegenwärtig sind: Zwei Drittel der befragten Museen mussten bereits mit Schadensereignissen und Notsituationen umgehen. Besonders häufig genannt wurden Schädlingsbefall oder Schimmel, Wasserschäden infolge von Starkregen sowie Einbruch oder Diebstahl.

Balkendiagramm zur Notfallvorsorge in Museen: Am häufigsten wurden Brandschutz (73,96 %) und Einbruch-/Diebstahlschutz (72,92 %) genannt, gefolgt von Sammlungserfassung und Inventarisierung (68,75 %).
Auswertung der Umfrage: Mit welchen Bereichen der Notfallvorsorge haben sich die Museen schon beschäftigt?; Bildnachweis: Museumsverband Hessen

Deutlich wurde dabei auch: Die Museen wissen um die Bedeutung der Vorsorge, können sie aber vielfach nicht mit den vorhandenen Ressourcen umsetzen. So verfügen nur 7 Prozent über einen fertigen Notfallplan. Bei weiteren 13 Prozent befand sich ein Plan zum Zeitpunkt der Befragung in Arbeit. Als größte Hindernisse nennen die Museen fehlendes Personal (82 Prozent), mangelnde zeitliche Ressourcen (72 Prozent) und fehlende Fachkenntnisse (54 Prozent). Entsprechend groß ist der Bedarf an praxisnaher Unterstützung: Gefragt sind insbesondere Checklisten, Handreichungen, Musterpläne und Arbeitshilfen sowie Beratung zu Risikoanalyse, Inventarisierung und sicherer Lagerung. Auch eine stärkere Vernetzung, etwa durch Notfallverbünde, wird gewünscht.

Innenraum mit Brandschäden: verkohlte Holzbänke und Tische, verrußte Wände und Brandschutt auf dem Boden.
Schwer geschädigt durch einen Brand wurde der historische Hörsaal im Liebig-Museum Gießen im September 2022; Foto: Manuel Heinrich

Notfallvorsorge beginnt lange vor dem Schadensfall

Auch die Sammlungsdokumentation stellt vielerorts eine Herausforderung dar. Nur rund ein Viertel der Museen haben ihre Bestände vollständig inventarisiert, drei Viertel zumindest teilweise. Von diesen Einrichtungen können wiederum nur etwas mehr als die Hälfte im Notfall auf ihre Sammlungsdaten zugreifen. Dabei sind aktuelle und verfügbare Daten entscheidend, um Objekte zu identifizieren, Schäden zu bewerten, Bergungsmaßnahmen zu priorisieren und Verluste nachzuverfolgen.

Balkendiagramm zu Notsituationen in Museen: Am häufigsten wurden Schädlingsbefall/Schimmel (38,54 %) und Starkregen-Wassereintritt (27,08 %) genannt. 33,33 % hatten bisher keine Notsituation.
Ergebnisse der Befragung des Museumsverbandes Hessen zu Notsituationen in Museen; Bildnachweis: Museumsverband Hessen

Bei der Notfallvorsorge stehen bislang vor allem Brandschutz sowie Einbruch- und Diebstahlschutz sowie die nötige Grundlagenarbeit wie Inventarisierung und sichere Lagerung von Objekten im Fokus. Am wenigsten berücksichtigt werden bisher Wetter- und Hochwasserwarnungen, Cybersicherheit oder die Vorbereitung auf krisenbedingte Ausnahmesituationen.

„Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich: Die Museen wissen, dass sie vorsorgen müssen. Aber insbesondere kleinere und ehrenamtlich getragene Häuser können diese Aufgabe nicht zusätzlich zu ihren alltäglichen Aufgaben bewältigen“, so Dr. Birgit Kümmel, Vorsitzende des Museumsverbandes Hessen. Sie betont: „Kulturgutschutz ist eine öffentliche Aufgabe. Wenn wir wollen, dass das kulturelle Erbe Hessens auch Krisen, Extremwetterereignisse oder andere Schadenslagen übersteht, müssen wir heute in Vorsorge investieren – und nicht erst reagieren, wenn der Schaden bereits eingetreten ist.“

Für den Museumsverband liefert die Umfrage damit zugleich wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung von Unterstützungsangeboten. Sie gibt Hinweise darauf, welche Rahmenbedingungen zu verbessern sind. Der Museumsverband appelliert aber auch an das Land, die Notfallvorsorge für Kulturgut als dauerhafte Aufgabe zu stärken und in Beratung, Qualifizierung und stärkere Vernetzung der beteiligten Akteure zu investieren. Ebenso sind die Träger gefordert, den Museen die notwendigen personellen und zeitlichen Ressourcen für die Vorsorge zur Verfügung zu stellen.

Anlässlich seines Verbandstages am 19. September 2026 in Frankenberg (Eder) wird sich der Museumsverband Hessen intensiv mit dem Thema Notfallplanung beschäftigen und die Ergebnisse der Umfrage sowie Handlungsmöglichkeiten für die Museen diskutieren.

Depot mit Regalen auf der linken und rechten Seite, in denen verpackte Objekte stehen. In der Mitte steht eine Leiter. Auf dem Boden ist Wasser.
Wasserschaden im Depot des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim; Foto: Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim

Weitere Informationen zum Thema

Der Museumsverband Hessen bietet über die Kulturberatung bereits jetzt Unterstützung in Form von Fortbildungen, Handreichungen und Beratung.

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Pressekontakt:

Christina Reinsch
Tel.: (0561) 7889 46935
E-Mail: christina.reinsch@museumsverband-hessen.de

Bei Rückfragen zur Umfrage:

Katharina Hillebrandt
Tel.: (0561) 7889 46715
E-Mail: katharina.hillebrandt@museumsverband-hessen.de